«Hülfe für Ertrunkene» anno 1798

Wie die Mund-zu-Mund-Beatmung 1798 angewandt wurde, zeigt dieser Auszug aus dem «Gesundheitsbüchlein für Bergleute» von Johann Karl Arnold eindrücklich. Schmunzeln erlaubt!

Ertrunkene müssen, sobald man sie findet, mit dem ganzen Leibe aufs Trockene gezogen und in das nächste Haus getragen werden. Bei dieser Fortbringung muss man sorgen, dass der Kopf nicht niederhange, sondern etwas in die Höhe gerichtet sey, auch die Brust nicht gedrückt werde. Man trägt ihn dann in ein Zimmer, welches weder zu kalt noch zu warm ist, entkleidet ihn ganz und reibt ihm mit warmen Tüchern Hände, Füsse, Rücken und Bauch; oder man bestreut ihn dicke mit Sand, Asche, oder Salz, bis an den Hals und fährt mit dem Reiben unaufhörlich fort.

Mittlerweile lege auch ein gesunder Mensch seinen Mund dichte auf den Mund des Verunglückten, halte demselben die Nase zu und blase ihm oft und viel Luft ein. Man kann ihm auf diese Weise auch etwas Tobaksdampf in den Mund blasen. Das Einblasen der Luft in die Lunge des Verunglückten muss aber gelinde, sanft und nach und nach, jedoch anhaltend geschehen. Man stecke auch den mit Oel bestrichenen Stiel einer Tobakspfeife in den Mastdarm des Verunglückten und ein anderer Rauchender, blase den Rauch durch die im Mastdarm steckende Pfeife in den Leib. Oder man zünde zwei gestopfte Tobakspfeifen an, halte die Köpfe derselben auf einander und stecke den Stiel der einen Pfeife in den Mastdarm, aber auch durch die andere Pfeife blase man den Rauch häufig ein.

Während dieses alles vorgenommen wird, reibe ein andrer das Gesicht, besonders die Schläfe des Verunglückten mit Essig oder Brandwein, halte ihm auch solchen unter die Nase, auch blase man etwas Schnupftobak in die Nasenlöcher. Die Burst, sonderlich die Gegend des Herzens und der Rückgrat muss sanft gerieben werden und die Fusssohlen muss man mit einer scharfen Bürste stark bürsten. Unterdessen wird das Zimmer nach und nach erwärmt, und wenn der Verunglückte wiederum auflebet, so putzt man ihm den Sand oder das Salz vom Körper ab, fährt auch mit Reiben des ganzen Körpers fort. Sobald er wieder schlucken kann, giebt man ihm allgemach und gleichsam Tropfenweise, ein wenig von einem warmen Getränke. Sorgfältig hüte man sich, solche Ertrunkene, nach dem alten Vorurteil, zu wälzen, zu rollen, oder auf den Kopf zu stellen, denn dieses würde sie vollends tödten und alle Hülfsmittel fruchtlose machen.